Von außen sah es nach Erfolg aus. Sie hatte aus eigener Kraft stark abgenommen, ohne Coaching, allein über Disziplin und viel Sport. Was niemand sah, war der Aufwand, der nötig war, um das zu halten, und dass es trotzdem nicht hielt.
Sobald sie den strengen Rahmen auch nur etwas lockerte, ging das Gewicht wieder nach oben, dann wieder runter, dann wieder hoch. Über Jahre blieb es dabei. Abnehmen war für sie nie das eigentliche Thema. Das bekam sie geregelt. Sie wollte den ständigen Kampf loswerden, der ihren Alltag begleitete.
Mehr als 30 Kilo aus eigener Kraft, und danach der ständige Kampf
Sie hatte ohne fremde Hilfe viel Gewicht verloren, mehr als 30 Kilo, allein über Disziplin und viel Sport. Doch sie merkte schnell, dass sie das nicht halten konnte. Es war ein Zustand, der sie ununterbrochen beschäftigte. „Es war ein ständiger Kampf zwischen ich tracke und esse sehr restriktiv, mache sehr viel Sport, dann war alles gut und sobald ich meinen Moment locker gelassen habe, ist das Gewicht wieder nach oben gegangen.“ Es folgte das Auf und Ab um mehrere Kilo, und das schränkte sie im Alltag und in ihrer Lebensqualität ein.
Lange war sie überzeugt, dass es an ihr lag. „Ich war der festen Überzeugung, dass es an mangelnder Disziplin lag, dass ich mein Gewicht nicht halten konnte. Ich wusste viel über Ernährung und Sport und hatte schon viel abgenommen. Aber ich schaffe es nicht, in einen entspannten Umgang zu wechseln und war total hart und unnachgiebig mit mir.“
„Das Problem ist überhaupt nicht, dass ich eine Tüte Chips esse. Das Problem ist was ganz anderes und es ist lösbar.“
Klientin aus der Beratung
Sie wusste alles über Ernährung, und trotzdem aß sie weiter
Am Wissen fehlte es ihr nicht. Sie hatte sich selbst angelesen, was sie braucht, um abzunehmen, und das auch angewendet. „Das habe ich mir selber angelesen, selber herausgefunden, dass ich viel Protein brauche, dass mir Gemüse gut tut. Das war nie mein Problem.“ Die Frage, die offen blieb, war eine ganz andere. „Das Problem war, warum esse ich denn trotzdem noch weiter?“
Nach einer Schwangerschaft gab es eine Phase, in der sie nachts wach wurde und dann nicht zurück ins Bett ging, sondern an den Kühlschrank. Später verschob sich das Muster oft in den Abend. Nach vollen Tagen, an denen zu viel zusammenkam, wurde das Essen zum Ventil. Sie beschreibt selbst, wie eng das mit dem Rest ihres Lebens verbunden war. „Ist vielleicht mein Arbeitsalltag nicht gut organisiert? Und dadurch baut sich so viel Druck auf, dass ich dann abends emotional esse.“ Das Essen war an dieser Stelle nicht das eigentliche Problem, sondern der Ausdruck eines anderen Bedürfnisses.
Der Abend, an dem sie zum ersten Mal zugab, was wirklich passiert war
Am Anfang der Begleitung war sie noch sehr darauf bedacht, alles richtig zu machen. Sie hielt die Werte ein, kaufte Supplemente und schaffte Proteinriegel an. Der Wendepunkt kam an dem Tag, an dem sie das erste Mal offen aussprach, dass ein Abend ganz anders gelaufen war. „Gestern Abend habe ich die Werte nicht eingehalten. Ich habe gegessen, gegessen, gegessen. Ich habe noch eine Schokolade aufgemacht, ich habe noch eine Chipstüte aufgemacht und ich lag einfach 2000 Kalorien über dem Budget.“
Das Entscheidende war nicht der Abend selbst, sondern was danach passierte. Statt sich dafür zu verurteilen, schaute sie zum ersten Mal wirklich hin, gemeinsam mit den Coaches. Sie untersuchte, was tatsächlich passiert war, welche Auswirkungen es hatte und vor allem, warum es passiert war. In dem Moment, in dem sie das aussprechen konnte, ohne sich zu verstecken, spürte sie, dass sich etwas dauerhaft verändern konnte.
Warum Bestrafung am nächsten Tag die Spirale nur weiterdrehte
Vorher hatte sie es immer gleich gemacht. Nach einem Abend, an dem sie zu viel gegessen hatte, kamen am Morgen die Vorwürfe, und darauf folgte die Strafe. „Das größte Problem sind ja die Selbstvorwürfe, für die man sich dann wieder abstraft, wenn man emotional gegessen hat. Wenn man am nächsten Tag sagt, jetzt aber wirklich nur Salat den ganzen Tag und abends noch einen kleinen Proteinshake und das war's. Das hilft einfach nicht weiter.“ Der strenge Folgetag löste nichts, er hielt das Muster nur am Laufen.
Was ihr stattdessen half, war zu erkennen, was tatsächlich hinter dem Essen stand. Oft war es schlicht Müdigkeit. „Also wenn ich esse, weil ich müde bin, ist es natürlich deutlich sinnvoller, ins Bett zu gehen und nicht zu essen.“ Oft war es auch Überforderung, weil zu viel gleichzeitig auf ihr lag. Und sie lernte, ihre Grenzen ernster zu nehmen. „Ich habe auch das Gefühl, dass ich besser auf mein Umfeld achte, weil ich Nein sage, wenn meine Grenze erreicht ist.“
Ein diskreter Raum für Erfahrungen, die viele kannten
Dass die Begleitung online lief, war für sie wichtiger als gedacht. Gerade weil sie sich mit ihrem Thema nicht vor fremden Menschen in einem Raum zeigen musste, fiel es ihr leichter, offen zu sein.
Die Gruppe selbst empfand sie zu Beginn als Hürde. „Ich habe gerade aus den Gruppencalls, gegen die ich anfangs eine starke Abneigung empfunden habe, ganz viel herausgezogen und lernen dürfen.“ Was sie dort erlebte, nahm dem Thema seine Schwere, weil sie sah, dass es anderen ähnlich ging. „Das ist schon so ein Teamgefühl, obwohl man sich ja nie persönlich kennt. Aber alle versuchen sich zu helfen, weil alle sich wiedererkennen in den Problemen der anderen.“ Zum ersten Mal war ihr eigenes Muster nichts Einzelnes, sondern etwas, das viele kannten.
Was heute anders ist
Das Wichtigste zeigt sich nicht auf der Waage. Sie kennt heute den Unterschied zwischen körperlichem Hunger und dem Impuls, ein Gefühl wegzudrücken. „Die Ergebnisse sind definitiv, dass ich meine Bedürfnisse jetzt kenne. Ich spüre sie besser und ich erlaube mir auch, auf sie zu hören.“ Emotionales Essen kommt weiter vor, aber es bestimmt nicht mehr den Takt ihres Tages.
Am deutlichsten merkt sie es daran, wie viel Platz das Essen inzwischen einnimmt. „Der größte Part ist, dass Essen inzwischen nebensächlich ist. Es bestimmt nicht mehr mein Denken. Dadurch habe ich viel mehr Kapazität in meinem Leben für andere Dinge.“ Aus einem riesigen, scheinbar unlösbaren Thema ist etwas Greifbares geworden. „Das Problem ist überhaupt nicht, dass ich eine Tüte Chips esse. Das Problem ist was ganz anderes und es ist lösbar.“
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Selbstcheck startenFür wen diese Geschichte relevant ist
- Menschen, die mit Disziplin und viel Sport schon stark abgenommen haben und das Gewicht danach nie halten konnten.
- Menschen, die viel über Protein, Gemüse und Kalorien wissen und trotzdem abends oder nachts essen, obwohl kein körperlicher Hunger da ist.
- Menschen, die sich nach einem Essanfall am nächsten Tag bestrafen und dadurch immer tiefer in dieselbe Spirale geraten.


